Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Montag, 7. Juni 2010

Das Kind beim Namen nennen

So etwa alle 5-6 Jahre ändern sich die Modenamen, die Eltern ihren Kindern mit ins Leben geben. Das ist in Ostfriesland mittlerweile nicht anders, als im Rest der Republik. Dennoch gibt es noch immer werdende Eltern, die Wert auf traditionelle ostfriesische Namen legen.

Bis vor 50, 60 Jahren war es noch üblich, dass der erste Sohn oder die erste Tochter, den Vornamen des Vaters oder der Mutter erhielt. In den Jahrhunderten davor war dies nicht nur üblich, sondern ein gesellschaftliches Novum, dass die ersten vier Kinder, jeweils die Namen der Großeltern erhielten. Das mag jungen Menschen heute altmodisch erscheinen, hatte aber praktische Gründe. So war die Namensgleichheit mit den Eltern und Großeltern, ein Baustein, um Familienbande deutlich zu machen und vor allem, sie auch zu festigen. Aus den Namen erwuchs im Laufe eines Lebens die Verwurzelung und die Achtung an die Vorfahren. War es doch auch eine Möglichkeit, sich mit ihnen auf Dauer verbunden zu fühlen.

Heutzutage ist im Gegenteil die Individualisierung und die Einmaligkeit gefragt. Das gilt für die Namensgebung ebenso, wie für die Wahl des Lebensstils. Ob Modenamen zu einer solchen Individualisierung beitragen, möchte ich allerdings bezweifeln. Eher dient sie dazu, mit Hilfe des Vornamens das Alter eines Menschen abschätzen zu können.


Sage mir wie du heißt – und ich sage dir, wer du bist?

Welchen Vornamen jemand trägt, verrät allerdings noch viel mehr über einen Menschen. Denn je nachdem, aus welchen Beweggründen ein Name vergeben wird, stehen hinter diesem Namen auch Vorstellungen und Ansprüche der Eltern an das Kind. Es lassen sich durchaus grobe Rückschlüsse führen, die auf die Erwartungen der Eltern schließen lassen. Dementsprechend werden sie auch erzieherisch auf ihr Kind einwirken und versuchen, es zu formen.

Dies war sicherlich auch in der Geschichte Ostfrieslands Grund genug, den erstgeborenen Kindern die eigenen Vornamen weiter zu vererben. Man wollte natürlich, dass die Kinder sich mit der eigenen Familie, mit der Herkunft und den Traditionen identifizierte. Individualität war kaum gefragt. Die Menschen brauchten sich gegenseitig und waren auf eine funktionierende Gemeinschaft, die ein gemeinsames Ziel hatte und zusammenhielt, angewiesen.

Mittlerweile sind die meisten alten Namen aus Ostfriesland fast in Vergessenheit geraten. Dadurch liefern sie heute kurioserweise einen riesigen Fundus an Individualität, Kreativität und Besonderheit. Wer sich einmal die alten Namen ansieht und sie auf der Zunge zergehen lässt, wird feststellen, dass so mancher dabei ist, der schon vom Klang her, auf Weisheit, Wärme oder Vertrautheit oder auf Kraft und Mut hindeutet.


Reine friesische Namen sind zum Beispiel:

Der weibliche Name Ethel enthält das Wort „Edel“ oder Blida das soviel bedeutet wie glücklich, froh. Der Name Keno ist auch heute noch aktuell und bedeutet nichts anderes als „Nachkomme“.

Es war auch nicht unüblich, aus einem Jungennamen, einen für Mädchen zu machen, indem man einfach ein „a“ oder die Endsilbe „ette“, "tje" oder „ke“hinten dran hängte, wenn es denn nötig war, weil vielleicht zuerst drei Mädchen geboren wurden. So wurde aus dem erhofften Jan flugs eine Janette, Jantje oder Janke. Umgekehrt funktionierte das ebenfalls, entpuppte sich die ersehnte Tochter als Sohn, so wurde aus dem Namen Grete einfach Gretus oder aus Stine wurde Stinus.

Einige Beispiele ostfriesischer Vornamen
, die im Laufe der Jahrhunderte immer wieder leichten Änderungen unterlagen, da sie z.T. aus dem Holländischen und aus dem Angelsächsischen beeinflusst sind.

Männliche ostfriesische Vornamen:
Aiko, Alf, Bajo, Bauko, Derk, Eiko, Feiko, Garlef, Hajo, Immo, Jan, Klaas, Meinert, Nanko Olerk, Redolf, Siebert, Sunko, Teiko, Tjado, Ubbo, Weeko, Wielf.

Weibliche ostfriesische Vornamen:
Aika, Antke. Beka, Bonna, Djura, Doortje, Elma, Folinde, Folma, Gesa, Gunda, Harda, Hiska, Iba, Jaika, Kenna, Lüka, Meina, Nomda, Mooltje, Onka, Rena, Seida, Sobine, Tadine, Tamma, Uda, Wanda, Wiebke


Insgesamt wurden die alten ostfriesischen Namen gern zu Kosenamen umgeformt und transportieren – so wie die gesamte ostfriesische Sprache – fast immer die Herzlichkeit und Ursprünglichkeit dieser Region. Die häufige Verwendung der Vokale „o“, „a“ und „u“ geben den Namen einen warmen Grundton. Vielleicht kann dieser Beitrag ein Anlass sein, dass sich der eine oder andere Ostfrieslandfan, der gerade auf Namenssuche für sein Kind ist, für einen friesischen Namen entscheidet.

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