Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Donnerstag, 17. Juni 2010

Nordsee Trolle

Schlimm.
Ganz schrecklich.
Die Tiere. Das Ökosystem. Die Fischer und die Hotel- und Restaurantbesitzer – alle ruiniert.
Schöner Mist.

Was für ein Glück für uns, dass es so weit fort passiert ist und nicht vor unserer eigenen Haustür! Golf von Mexiko ... mal auf der Karte gucken, wie das da genau anliegt. Nicht, dass das Zeug noch durch irgendwelche Strömungen an unsere schöne saubere ostfriesische Küste gelangen kann.

Ahja, gefunden! Das Drama spielt sich in einer großen Bucht ab, deren Öffnung zum Meer nicht soooo breit ist. Na, dann wird es wohl nicht gleich ins offene Meer hinausgetrieben. Bis das bei uns ankommt, wenn überhaupt, ist es längst verdünnt. Natürlich finden wir das alle ganz traurig, aber ehrlich gesagt, wissen wir auch nicht, wie man das Öl wieder aus dem Meer herausbekommt, oder?

Bei unseren Bohrinseln kann so etwas ja sicher nicht passieren.
Das passiert immer nur in anderen Ländern. Wo man nicht so strenge Gesetze hat, wie bei uns in Deutschland. Ist doch so, oder?

Ist das so? Wir haben doch auch die eine oder andere Bohrinsel in der Nordsee. Jetzt will ich's wissen und lese mich schlauer.

540 Bohrinseln stehen in der Nordsee zwischen Großbritannien, Norwegen, Dänemark, Deutschland und den Niederlanden! Donnerwetter, das hätt ich nicht gedacht. Und nur eine einzige davon gehört Deutschland: Die „Mittelplate“ liegt im Naturschutzgebiet Wattenmeer vor Cuxhaven / Schleswig-Holstein und fördert ca. 2 Mio. Tonnen Öl jährlich mit abnehmender Tendenz. Deshalb wird der Bereich der Probebohrungen rund um das Gebiet stetig erweitert, um die Bohrinseln auch in Zukunft auf noch nicht erschlossenen Ölfeldern einsetzen zu können.

Fast 600.000 Menschen leben vom Gewinn, den der Offshore Bereich der Ölindustrie allein in der Nordsee abwirft. Gehälter von 6000 € monatlich, bei viel Freizeit, locken vor allem junge Menschen auf diese Plattformen. Der Ölmarkt ist ein gigantischer Wirtschaftsmarkt und hat dementsprechend Einfluss auf politische Entscheidungen. Gewinn steht an allererster Stelle. Nicht etwa der Mensch und die Erhaltung der Natur, die die Grundlage für Leben ist.

Nicht alles was machbar ist, ist auch gut.
Die Tatsache, dass die Reservoire nicht endlos Öl hergeben, sorgt zudem dafür, dass auch in Punkto Sicherheit gespart wird, in der Hoffnung, es wird schon gut gehen für die nächsten paar Jahre.

BP hat uns menschlichen Größenwahn wieder einmal vor Augen geführt. Bohrungen in einer Tiefe, in der es nicht mehr möglich ist, Schäden an Bohrleitungen umgehend zu schließen. Es gab und gibt schlicht keine Technik für derartige Unfälle. Dennoch werden Genehmigungen erteilt. Profit geht vor Sicherheit. Für BP kann es das Aus bedeuten, für die Menschen an der Küste, am Golf von Mexico und für die Tier- und Pflanzenwelt, bedeutet es auf lange Zeit mit Sicherheit das Aus.

Und wie sieht es jetzt aus mit der Sicherheit bei uns in der Nordsee?
Ein Unfall, gleich dem in Amerika ist eher unwahrscheinlich, da in der Nordsee nicht in solchen Tiefen gebohrt wird. Aber bedeutet das, dass wir uns entspannt zurücklehnen können? Sicher nicht. Denn auch ohne Unfall gelangt während des ganz normalen Betriebs täglich jede Menge Öl in die Nordsee. Das gilt auch für die „Mittelplate“, die nach eigener Auskunft, seit vielen Jahren ohne Störungen arbeitet. Vergessen sollte man auch nicht, dass zwar Sicherheitsmechanismen eingebaut sind, dass aber niemand alle Möglichkeiten eines Unglücks voraussehen kann. Geschieht Unvorhergesehenes, für das keine Lösung auf dem Tisch liegt, kann es auch bei uns zu einer solchen Katastrophe kommen.

Übrigens trägt die größte Bohrinsel in der Nordsee den Namen „Sea Troll“ und gehört der norwegischen Firma Statoil. Hoffen wir mal, dass der Name nicht Programm ist, denn Trolle sind unberechenbar und schlagen grundsätzlich genau dann zu, wenn man nicht mit ihnen rechnet.

Sicherheit muss Vorrang haben
Auch wenn Windkraftanlagen nicht jedermanns Geschmack sind, so sind sie doch die umweltfreundlichere Alternative, deren Förderung und Weiterentwicklung - ebenso wie andere Möglichkeiten, wie Sonnenenergie und die Nutzung von Wasserkraft - mit jedem Tag dringender werden. Nur mit den nötigen Fördergeldern können diese Anlagen stetig verbessert werden.

Ein altes Naturgesetz sagt, dass alle negativen Ereignisse auch einen positiven Pol haben. BP hätte jetzt eine gute Chance sich auf diesem Markt einen guten Ruf zu verschaffen …

Foto Bohrinsel: pixelio; Dieter Schütz

Kommentare:

  1. Toller Bericht, der zum Nachdenken anregt...

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  2. Danke Leatherman. Der Zustand des Nachdenkens sollte alsbald in den Zustand des Handels übergehen, was wohl auch bedeutet, dass wir als Verbraucher unser Verhalten ändern müssen. Da liegt vermutlich die größte Herausforderung für die Zukunft.

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  3. Allerdings. Der Mensch hat dieses Chaos angerichtet und nur er ist in der Lage es wieder gerade zu biegen. Ich denke auch das es eines der größten Herausforderungen unserer Zeit ist diesen Planeten am Leben oder überleben zu halten.

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