Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Samstag, 19. Juni 2010

"Pietät + Kunst" ein Widerspruch?

Das Bestattungsunternehmen Spree in Emden lädt ein.

Kaum etwas bewegt das Leben eines Menschen mehr, als wenn er mit dem Tod eines Angehörigen oder Freundes konfrontiert wird.

Dieses Geschehen gehört zu den Augenblicken, die jeder Mensch irgendwann erfährt. Sterben und Tod sind bis heute Mysterien, mit denen wir Menschen schwer umgehen können. Sicher auch mit ein Grund, weshalb er gern ausgeblendet wird aus dem Alltag. Doch je weniger Raum im Leben dem Sterben eingeräumt wird, desto tiefer erschüttert der Tod die Menschen.


Aus diesem Grund initiiert das
Bestattungsunternehmen Spree
seit einigen Jahren Projekte, die das Sterben und den Umgang mit dem Tod, in das Leben mit hineinnehmen. Das ist in einer ostfriesischen Stadt ein mutiges Unterfangen. Mit immer neuen Ideen und kulturellen oder künstlerischen Projekten leiten die Inhaber Thomas und Ioana Spree die Aufmerksamkeit auf ihr Unternehmen, was anfangs durchaus etliche kritische Stimmen und sogar Empörung hervorrief.

Mittlerweile aber haben viele Menschen verstanden, dass die Integration von Kunst und Kultur durchaus die Trauerphase für Angehörige bereichert und Trost geben kann. Denn wo Worte nichts ausrichten können, da kann Musik tief wirken, da können gestalterische Elemente ein tiefes emotionales Verstehen auslösen, da können Bilder und Eindrücke eine Form des Trostes spenden, die mit noch so mitfühlenden Gesprächen, niemals erreicht werden können.


So habe ich die Einladung in das Beerdigungsinstitut von Thomas und Ioana Spree zu einer Vernissage des Künstlers Udo Bader, anlässlich der Einweihung eines Abschiedsgartens, gern angenommen. Ausgangspunkt für die Umsetzung des Abschiedsgarten, war für die Familie Spree das Anliegen von Hinterbliebenen, deren Angehörige auf See bestattet wurden.
Hier fehlt vielen Menschen die Möglichkeit, ihre Verbundenheit z.B. duch den Besuch oder die Pflege von Gräbern auszudrücken.























Der neu angelegte Abschiedsgarten bietet Platz, um für Verstorbene einen Erinnerungsstein zu setzen, so dass ein jederzeit erreichbarer Ort entsteht, der Gelegenheit zur Besinnung und inneren Zwiesprache mit verabschiedeten Menschen zulässt. Noch ist die Begrünung und Gestaltung nicht abgeschlossen, aber mit ein wenig Fantasie, kann man schon erkennen, dass der Abschiedsgarten ein ansprechender, geschützter Platz sein wird.

Der Weg dorthin ist aufgefüllt mit Muschelschalen, die beim Betreten den Schritt innehalten lassen. Natürliches Material, das zu den ältesten der Erde gehört, begleitet den Trauernden, mit seinem lebendigen Klang beim Gehen, bis in die Mitte des Abschiedsgarten.








Dort kann er in der Stille auf einer Bank seinen Gedanken nachgehen. Eine schöne Alternative für alle, die keine andere Grabstätte haben oder einfach keine Kraft mehr besitzen, ein großes Grab zu pflegen.



Die begleitende Ausstellung zeigt Bilder und Arbeiten des Künstlers Udo Bader, der auch Teile der ansprechende Raumgestaltung für die Firma Spree umgesetzt hat. Bader ist nicht nur Maler und Dekorateur, sondern gestaltet auch Urnen mit viel Sinn für warme Farben und sinnbildliche Motive.


Was in vielen Großstädten bereits alltäglich ist, demonstriert Udo Bader den Besuchern: So individuell wie jedes Leben verläuft, so einmalig gestaltet er mit Farbe und Pinsel die Oberfläche eines Sarges mit Mustern oder Motiven, die sich auf das Leben des Ver-
storbenen beziehen.
Während der Ausstellung zeigt er den Beginn einer Sargbemalung, die bei ihm in Auftrag gegeben werden kann.

Auch diese Art der "Kunst am Sarg" ist eine Möglichkeit der aktiven Trauerverarbeitung für Angehörige.



Die meisten der ausgestellten Bilder können während der Ausstellungszeit vom 19. Juni bis 2. Juli erworben werden. Ein Teil des Gewinns wird dem Hospizdienst Emden für seine Arbeit zufließen.

Ab Montag ist die Ausstellung täglich von 10-17 Uhr nach telefonischer Absprache zu besichtigen.

Die offizielle Einweihung des Abschiedsgarten erfolgt am Sonntag, den 20. Juni. um 11 Uhr durch die Pastorin Bonna van Hove. Gäste und Interessierte sind herzlich eingeladen.

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