Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Sonntag, 13. Juni 2010

Piraten an der osfriesischen Küste

Über Klaus Störtebeker wurde schon soviel geschrieben, dass ein zusätzlicher Artikel eigentlich überflüssig wäre. Dennoch gebührt auf einem Ostfriesenblog selbstverständlich auch dem alten Haudegen Klaus Störtebeker ein Plätzchen, an dem er zu finden ist.

Als Kind hatte ich eine ziemlich gute Meinung von ihm. Ich hielt ihn einfach für einen tollen Helden, dessen Piraterien einzig und allein den Zweck hatten, den Armen Gerechtigkeit angedeihen zu lassen. Ein wilder freier Bursche, der mit seinen treuen Seemännern über die Meere zog, den Handelsschiffen das „Zuviel“ abnahm und es an die arme Bevölkerung Ostfrieslands verteilte. Aber Kinderfantasien weichen irgendwann den Realitäten und ganz so heldenhaft war das Leben des Störtebekers wohl nicht.

Störtebeker wird oft Ostfriesland zugeordnet, obwohl niemand genau weiß, woher er stammte und wie alt er genau war. Man vermutet sein Geburtsjahr um 1360 herum. Demnach war er bei seiner Hinrichtung 1401 in Hamburg um die 40 Jahre alt. Und da er eigentlich mehr auf den Gewässern der Nord- und Ostsee unterwegs war, als auf dem Festland, dürfte sich kaum ein fester Wohnsitz ausmachen lassen. Störtebeker, von dem nicht einmal gesichert ist, ob er Klaus mit Vornamen hieß oder doch Johann oder Johannes, hatte auch bei uns in Ostfriesland ein Domizil an der Nordseeküste. Marienhafe. Dort, so ist es überliefert, stand ihm der Häuptling Kuno ten Broke zur Seite, dessen Tochter die Frau von Klaus Störtebeker gewesen sein soll. Das ist der Grund, weshalb bis heute der Kirchturm in Marienhafe als Störtebekerturm bezeichnet wird.
Handfeste Belege dafür gibt es leider nicht. All die Geschichten um ihn basieren auf Legenden und Erzählungen, die sicherlich über die Jahrhunderte manch Wandel genießen durften. Zu guter Letzt wurde mein Heldenbild angekratzt, als ich erfuhr, dass nicht Störtebeker, sondern sein Vitalienbruder Goedeke der eigentliche Chef der verruchten Bande war. Tja, so ist das mit den Heldengeschichten, schaut man mal genauer hinter die Kulissen, entpuppt sich manches als Blendwerk.

Trotzdem, Störtebeker hat dort, wo heute Urlauber die Küste genießen, mit seinem Schiff und seinen Liekedeelern Anker geworfen und seine legendären Füße sind über den gleichen Boden gegangen wie unsere heute. Er wird auch seine Frauengeschichten hier gefunden haben und manch unrühmliche Piratenparty dürfte die Dorfbewohner in Angst und Schrecken versetzt haben, wenn die Horde ungehobelter Männer volltrunken ihre Beute verjubelt hat.

Ach ja, und das Gerücht, dass Störtebeker nach seiner Enthauptung, noch an mehreren seiner Männer vorbeigetaumelt sei, um sie so vor der Todesstrafe zu bewahren, ist bis heute nicht bewiesen. Macht nichts, die Idee ist Klasse und hält sein Image als Pirat mit sozialem Anspruch weiter aufrecht. Und außerdem hätten wir ohne ihn nicht alle drei Jahre die mittlerweile traditionellen Störtebeker-Festspiele, die für Einheimische wie Feriengäste ein tolles Erlebnis sind. Für 2011 sind einige Neuerungen geplant.

Bis dahin empfehle ich für die Urlaubstage die Nase mal tief in ein Buch zu stecken, das in Anlehnung an Störtebeker entstanden ist und in der heutigen Zeit spielt. Das Grauen beginnt auf Borkum ... und zieht unaufhaltbar über ganz Ostfriesland ...

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