Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Donnerstag, 11. November 2010

Martinisingen in Ostfriesland - Kult mit Schatten?

Hexenverbrennung, 1520
„Drum hat das Maidlein ihr Punzlein ...“ 
meinte der Maddin ...

Man mag es ja kaum glauben, aber es gibt noch immer männliche Zeitgenossen, die mit dem Selbstverständnis aus dem 15 Jahrhundert ausgestattet sind.
„Eine Frau muss nicht sprechen können. Es reicht, wenn sie bei der Trauung einmal „ja“ sagt, danach kann sie für immer schweigen.“ Dies ist eine Aussage aus der Jetztzeit, ausgesprochen von einem Mann der sich selbst als Antimacho und frauenfreundlich bezeichnet.


Was hat das mit dem Martinisingen zu tun?
Das ist schnell erklärt. Fragt man sich nämlich, woher derart frauenfeindliche Sprüche kommen, wird man schnell fündig bei einem Mann, dessen Geburtstag alljährlich am 10. November mit Lichterorgien aus pendelnden Laternen von Kindern besungen wird.
Martin Luther war ein begeisterter Frauenfeind und machte auch keinen Hehl daraus. Von ihm sind Ansichten und Aussagen wie diese:

»Es ist kein Rock noch Kleid, das einer Frau oder Jungfrau übler ansteht, als wenn sie klug sein will«

„Männer haben einen breiten, großen Brustkorb, kleine, schmale Hüften und mehr Verstand als Frauen, die nur einen kleinen, schmalen Brustkorb, dafür aber breite Hüften haben, und daß sie das Haus hüten, sich ruhig verhalten, den Haushalt versorgen und Kinder gebären und aufziehen.“

"Will die Frau nicht, so komm' die Magd!"

"Ob sie sich aber auch müde und zuletzt todt tragen, das schadet nichts, laß' sie nur todt tragen, sie sind darumb da."

„Darumb hat das Maidlein ihr Punzlein, daß es dem Manne ein Heilmittel bringe."


So, so, ein Heilmittel also ... Ich frag mal nicht, welche körperlichen Zeichen der Herr Luther am männlichen Körper als krank empfunden hat.

Von den Jüden und iren Lügen
Übrigens beschränken sich derart beschränkte Aussagen nicht nur auf die Bewertung von Frauen, sondern ebenfalls auf Kinder die mit Behinderungen geboren wurden („möge man sie töten, da sie ein Zerrbild Gottes sind und ohne Seele“) und auf Juden und Roma, zu deren Vernichtung Martin Luther ebenfalls aufrief. Nachzulesen in seinen Schriften „Brief wider die Sabather an einen guten Freund“ und „Von den Jüden und iren Lügen“, nur zwei aus der Reihe seiner Hetzschriften zu nennen.

Ich sehe unter diesen Umständen keinen Grund, diesen Geburtstag so zu würdigen, als hätte Martin Luther mit seiner Bibelübersetzung (die er in vielen Passagen nach Gutdünken unrichtig übersetzt hat), den Menschen das Heil gebracht. Im Gegenteil, er war einer der Drahtzieher die dafür sorgten, dass die Hexenverbrennung im Mittelalter so richtig in Fahrt kam. Ich vermute, würde er heute noch leben, dass er mich nach diesem Artikel ebenfalls als Hexe anzünden lassen würde. Ich glaube sogar, dass das Entzünden der Laternen einfach ein verkapptes Symbol für das Anzünden der Scheiterhaufen ist.

Seltsam, dass man uns all diese Dinge weder in der Schule noch im Kofirmandenunterricht beigebracht hat und wie schön, dass eine solche Selektierung von Informationen, in Zeiten des Internets nicht mehr funktioniert. Stattdessen wurde dieses jämmerliche diffamierende Gedankengut bis heute in vielen männlichen Köpfen auf mysteriöse Weise gehütet und auf wundersame Weise durch die Jahrhunderte weitergegeben.

Da zünd ich doch viel lieber ein Licht an für alle Frauen, Kinder und Andersartige, die jemals von sogenannten Christen verfolgt, gequält und um ihr Leben betrogen wurden.



  

1 Kommentar:

  1. Martin Luther war ein widerlicher Frauenhasser und ein schrecklicher Antisemit. Kult mit Schatten? Schatten setzt Licht voraus... doch hier gab's vor allem Dunkelheit! Danke für den vorzüglichen Beitrag!

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