Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Samstag, 29. Januar 2011

Unsittliches Treiben ostfriesischer Mönche

Dazu eine Erklärung des Autors der Geschichte, Johann Beerens: "Die alte Tamma"
"Etwa 1.500 m von dem Kieshügel Tergast entfernt, liegt noch ein zwei Meter hoher Kieshügel, Tammenagast genannt. Vor mehr als 700 Jahren konnten die Sturmfluten die kleine Höchte überschwemmen, während auf dem höheren Hügel die Möche vom Zisterzienser-Orden eine Kirche bauten. Als nach 1400 die Mönche wegen ihres unsittlichen Treibens in Ungnade fielen, im Rheiderland das Kloster Palmarum versank und die Nonnen zum Kloster Langen = Buschfeld flüchteten,  war hier an der Ems dem sexuellem Treiben Tür und Tor geöffnet.


Tammegast früher


Die alte Tamma
von Johann Beerens

Vor vielen hundert Jahren lebte auf einer kleinen Anhöhe in der Nähe der Ems eine einsame alte Frau. Tamma hieß sie. Sie war mit den Jahren scheu und schüchtern und auch ein wenig seltsam geworden. Dabei war sie anfangs ein ganz hübsches Kind gewesen. Sie wohnte ganz alleine auf dem Hügel. Wie sie dahin gekommen? Ihre Mutter hatte sie vergessen. Das erzählte ihr jedenfalls ein alter Priester, den sie immer Zister genannt hatte.

Es war im vorigen Jahrhundert gewesen. Nach dem heißen Sommer folgten Sturm und Regen. Eines Tages zogen nach einem diesigen Tag gegen Abend dunkle Wolken auf. Das Grollen und Grummeln kam sehr schnell näher. Der Wind blähte auf und wurde heftiger, stürmischer. Mutter Tamata wickelte die kleine Tamma in frische Tücher und legte sie in ihr Weidenkörbchen, das sie auf einen Binsenhaufen unter einem Reisigdach abstellte. Ihr Mann und ihre Brüder  riefen die Schafe und Ziegen zusammen, die draußen auf den abgenagten  Weiden das letzte Futter suchten. Immer heftiger wurde der Sturm, und dann sahen die Männer auch schon das Wasser kommen. Es strömte von der Ems und der Flumm her, überflutete die niedrigen Felder, stieg höher und höher, schwappte mit den weißen Wellenkronen über den Rand ihres Hügels und riss die aus Reisig und Schilf geflochtenen Bedachungen der Erdlöcher, in denen sie hausten, mitsamt ihren kleinen Habseligkeit fort. Die Tiere blökten und schrieen und die Männer und Frauen trieben mit den Fluten davon.


Es ging alles sehr schnell, doch am anderen Morgen war alles anders. Die Sonne schickte ihre Strahlen durch die Wolkenlücken wieder auf die Erde nieder. Die  Felder ringsum hatten eine gräuliche Farbe angenommen. Und es war alles so still ringsum. Nur Tamma  schrie und schrie und schrie. Sie hatte Hunger. Aber ihre Mutter war nicht da. Niemand war da. Keine Onkels und Tanten, keine Ziegen, keine Lämmer. Erst nachdem die Sonne ihren höchsten Stand erreicht hatte, blickte ein altes Faltengesicht in das Körbchen. Sein weißer Bart streichelte die kleinen Händchen, seine treublauen Augen glänzten und strahlten Gutmütigkeit und Freude aus, seine groben, hornbesetzten Finger streichelten die roten, von Tränen benetzten Wangen des kleinen Kindes.

Von diesem Tag an kam der alte Mann täglich von dem höheren Hügel, der in sichtbarer Nähe lag,  herüber und versorgte das Kind mit schönen Kleidchen und lauter süßem Essen.  Tamma wuchs schnell heran. Als sie laufen und hüpfen und spielen konnte, erlernte sie von Zister allerhand Nützliches, um sich selbst versorgen zu können. Und eines Tages, Tamma war nun schon groß, kam Rister nicht mehr. Tamma war darüber in der ersten Zeit sehr traurig. Sie lief hinüber zu dem höheren Hügel, wo viele Gestalten einen noch höheren Hügel bauten. Doch als sie am Rande des Hügels ankam und schon den Rauch aus einem mächtigen Steinhaufen quirlen sah, rief einer der Männer, er hatte eine braunen Umhang an, den er mit einem weißen Tau  um seinen dicken Bauch gebunden hatte: „He Mädchen, geh fort auf deinen kleinen Zwergenberg – auf diesem Hügel sind keine weiblichen Wesen erlaubt.“ Tamma fragte noch: „Wo ist Zister, der alte Mann?“  „Geh fort, Tamma,“ rief der Mann, „Zister ist tot, er ist in Ile im Kloster begraben.“

Tammegaast "platt maakt"
Traurig ging Tamma von dannen. Sie grübelte tage- und wochenlang. Was ist tot?  Was ist begraben? Wo ist Ile? Was ist ein Kloster? Auf ihrem Hügel war nun alles so kahl und stupide, so leer und freudlos. Zister hatte ihr erzählt, dass bevor die große Flut kam, Menschen von den Mooren und den sandigen Böden gekommen waren, um hier an der Ems ihre Tiere zu weiden. Seit dem sie aber von dem Wasser vertrieben wurden, kamen sie nicht mehr. So blieb auch Tamma’s Hügel leer.

Es vergingen viele Jahre. Tamma war nun alt und runzelig geworden. Einmal noch hatte sie versucht heraus zu finden, warum denn keine Frauen auf dem Nachbarhügel geduldet waren. Sie schlich sich an dunklen Abenden, wenn der Mond nur ein wenig Licht spendete, von ihrem sicheren Hügel hinunter zur Ems und zum Flumm. Was sie dort entdeckte, war ihr nicht ganz geheuerlich. Auf  dem Kleiweg entlang der Flüsse kamen vermummte Gestalten, die zu Zweit, manchmal auch zu Mehreren, zum hohen Hügel pilgerten. Einmal konnte sie es nicht mehr vor lauter Neugier aushalten. Sie versteckte sich hinter einem Gebüsch. Sie brauchte nicht lange zu warten. Zwei der in schwarzem Tuch gehüllten Gestalten kamen schweigend näher. Wie ein Wiesel sprang Tamma von hinten auf die Beiden zu, riss ihnen die Kapuzen vom Kopf und den Umhang vom Körper. Sie staunte nicht schlecht. Vor ihr standen zwei nackte Frauen.

„Woher kommt ihr?  Was macht ihr hier?“  Die Beiden griffen nach ihren Mänteln, die sie um ihren Körper wickelten. „Wir kommen vom Langen Kloster. Wir sind Nonnen und wurden von unserem verdrunkenen Kloster Palmara über die Ems geschwemmt. Jetzt suchen wir unser Seelenheil bei den Mönchen auf dem hohen Hügel.“ „Seelenheil nennt ihr das? Ich denke, dort oben sind keine Frauen erlaubt?“ „Wir dürfen,“ lachten sie und entschwanden in der Dunkelheit. Wie Tamma später erfuhr, war sogar der Bischof erbost über das Treiben der Mönche auf dem hohen Hügel. Es dauerte auch nicht lange, da war der nächtliche Spuk vorbei. Tamma aber lebte noch jahrelang auf ihrem kleinen Hügel, bis sie im hohen Alter starb und von den Bauern, die jetzt auf dem hohen Hügel wohnten, in der Nähe der Kirche begraben wurde.

Johann Beerens, Am Ehrenmal 1, 26802 Moormerland-Tergast

Samstag, 22. Januar 2011

Märchenland Energieversorgung

Anläßlich der jüngsten Ankündigungen, dass Energiekosten wieder einmal steigen werden, greift meine liebe Kollegin Ursula Prem in ihrer brandneuen Freitagskolumne von „Ein Buch lesen“ das Thema Subventionierung von Atom- und/oder Sonnenenergie auf.

Sie stellt die Fragen, die wir uns alles stellen sollten, denn es geht nicht nur um die Erhöhung der Energiepreise um einige Euro, sondern um die verkorkste Argumentation pro Atomenergie und contra Sonnenenergie (bzw. allgemein umweltfreundliche Energieerzeugung), die uns Bürgern untergejubelt wird.

Mittwoch, 12. Januar 2011

Mit fremden Federn geschmückt

von Johann Beerens, Tergast
Wenn man in das kleine Dorf Gandersum, zwischen Oldersum und Petkum gelegen, einfährt, so kommt man über die Zollhausstraße zum Deich. Vergeblich sucht man hier ein Zollhaus oder ein Zollamt. So etwas hat Gandersum auch nie besessen, da hat sich wohl die Gemeinde Moormerland bei der Namensgebung der Straßen mit fremden Federn geschmückt. Oder nicht?  Sollte man davon ausgegangen sein, dass der Turm an der Ems ein Zollhaus ist? Nun, da ist sicherlich eine Klarstellung erforderlich.

Donnerstag, 6. Januar 2011

Ik hebb gien Köölen mehr

van Johann Beerens, Tergast

Man, o man, dat wassen harde Winterweeken. Begünnen dä dat all um de Wiehnachtstied. De Ruten harrn dicke Blömen ansett,  Pütten un Pumpen weern full Iis, de Sloten un Depen weern fast froorn. Toeerst weer dat ja ok’n moi Freid, elk un een suusde mit Schöfels up den dichtfroorn Water,  Kinner harrn hör Slee van Böön haalt un sliddern van Diek hendaal. Man naa Neejaar,  daar puusde de Oostwind over dat freeje Land. Kien Minske  gung mehr vöör Döör, wenn’t neet weesen muss.