Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Mittwoch, 12. Januar 2011

Mit fremden Federn geschmückt

von Johann Beerens, Tergast
Wenn man in das kleine Dorf Gandersum, zwischen Oldersum und Petkum gelegen, einfährt, so kommt man über die Zollhausstraße zum Deich. Vergeblich sucht man hier ein Zollhaus oder ein Zollamt. So etwas hat Gandersum auch nie besessen, da hat sich wohl die Gemeinde Moormerland bei der Namensgebung der Straßen mit fremden Federn geschmückt. Oder nicht?  Sollte man davon ausgegangen sein, dass der Turm an der Ems ein Zollhaus ist? Nun, da ist sicherlich eine Klarstellung erforderlich.


In der Ortschronik der Ostfriesischen Landschaft ist von einer Zollstation des Zollgrenzbezirks die Rede. Da sind doch einige Begriffe durcheinander geraten. Einen Zollgrenzbezirk gibt es schon seit Zusammenlegung der Europäischen Gemeinschaft nicht mehr. Der frühere Zollgrenzbezirk ist nach dem Schengener Übereinkommen 1992 geändert worden. Er heißt jetzt "Grenznaher Raum" und ist auf ca. 50 km an der See (früher 15 km) erweitert. Dazu gehören auch die beidseitigen Uferstreifen an der Ems bis zur Schleuse Herbrum (der Zoll spricht scherzhaft auch vom ‚Emssack’, weil das Stück auf der Karte wie ein Sack aussieht). Während der frühere Zollgrenzbezirk dazu diente, einen Raum mit besonderen Gesetzen an den deutschen Grenzen zu haben, ist der "Grenznahe Raum" eingerichtet, um einen solchen Raum gegenüber Drittländern zu haben.

Die „Zollstation“ bei Gandersum ist lediglich ein Ansageposten gewesen. Der Zollturm mit Anlegemöglichkeit für Schiffe und Boote war erforderlich geworden, als das Emswachtschiff bei Pogum 1966 eingezogen wurde. (In der Ortschronik steht „bei Gandersum lag ein Zollpostenboot“, beides ist falsch: das Emswachtschiff lag vor Pogum an der anderen Emsseite und war ein schwimmendes Zollamt, dem Hauptzollamt Emden unterstellt, damit Schiffe auf der Ems direkt abgefertigt werden oder dem nächsten Zollamt gemeldet werden konnten.)

Der Turm war ständig besetzt, vorbeifahrende Fahrzeuge wurden den nächsten Zollämtern Leer, Weener, Papenburg oder Herbrum gemeldet oder wurden von dort als „auslaufend“ angekündigt. Seit 1992 war auch das nicht mehr nötig, so dass der Zollturm bei Gandersum lediglich dem Zollgrenzdienst als Aussichtsturm diente (wurde selten benutzt, denn auf dem Deich war es gemütlicher und man konnte rundum alles überblicken.)

Der Zoll zieht sich immer weiter zurück. Das Hauptzollamt Emden ist aufgelöst, ihre Aufgaben hat das HZA Oldenburg übernommen. Einige Zollgebäude in Emden sind abgerissen. Nur die „Flotte“ ist noch aktiv. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis auch der Zollturm bei Ganderum verschwindet. 


Über den Zoll im Emsland und in Ostfriesland lesen Sie hier mehr.
und in meinem Buch "Zoll und Grenze im Wandel der Zeiten"  

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