Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Samstag, 5. Februar 2011

Böser Bauer Odinga?

In der Natur sind die Gesetze einfach gestrickt.
Es bedarf keiner groß angelegten Studien, um herauszubekommen, dass wenn die Erdbevölkerung so rasant weiter wächst wie jetzt, der Mensch schon bald unter ähnlichen Bedingungen leben wird, wie Milliarden von Rindern, Schweinen, Puten und natürlich auch Mastküken. Das ist das Wunderbare an den Naturgesetzen, dass man, ohne über hellseherische Fähigkeiten verfügen zu müssen, einfach nur hingucken braucht, um zu erkennen, was auf uns Menschen zukommt: Massenhaltung Mensch will ernährt werden – von Massenhaltung Tier.

 „Wie oben so unten, wie innen so außen.“

Das ist der Spiegel, in dem wir Gegenwart und Zukunft sehen können. Massenhaltung Mensch, das ist der Trend der Erdbevölkerung. Und sie stinkt zum Himmel mit all ihren Ausscheidungen und Ideen, die dazu beitragen, dass ein natürliches, gesundes Leben auf Dauer nicht mehr möglich sein wird. Nicht für Menschen, nicht für Pflanzen und nicht für Tiere.


Landwirt Odinga, aus Wybelsum in Ostfriesland, möchte eine Kükenmast betreiben.
So wie sie im Augenblick vielerorts zu einem beliebten Investitionsobjekt geworden ist. Ein Aufschrei geht durch die Bevölkerung. Denn schon tauchen die Bilder auf von Hunderttausenden süßer kleiner Küken, die wie Kartoffeln in Kartons hin und her gekarrt und geschüttet werden, lieblos aussortiert nach männlich und weiblich, angefasst wie tote Materie, dichtgedrängt und physisch und psychisch misshandelt, hinter verschlossenen Türen.

Böser Bauer Odinga! Wie kann man so herzlos sein?
In einem Interview mit der Emder Zeitung antwortet Gerhard Odinga darauf: „Der Verbraucher möchte Fleisch immer verfügbar haben. Wir können uns dem Bedarf der Bevölkerung anpassen.“

Richtig. Landwirt Odinga ist nicht nur einer, der gern bei seinen Tieren ist, wie er selber sagt, sondern auch ein selbstständiger Familienvater, der seine Familie ernähren muss. Als kluger Geschäftsmann produziert er also das, was seine Kunden möchten. Ein Geschäftsmann der das nicht macht, ist sehr schnell keiner mehr. Und da der Trend in Richtung immer mehr Geflügelfleisch geht, muss man sich nicht wirklich wundern, wenn die Berufe, die in der Lage sind diesen Trend zu bedienen, die Chance auch wahrnehmen. Was erwartet man von Gerhard Odinga? Dass er sich 10 Hühner hält und seine Familie vom wöchentlichen Erlös ernährt?

Wer ernsthaft keine Massentierhaltung will, der muss nicht mit dem Finger auf Landwirte und Produzenten zeigen, sondern in erster Linie auf sich selbst. Den eigenen Fleischverzehr gilt es einzuschränken und beim Einkauf darauf zu achten, dass man Fleisch von Tieren kauft, die zeit- und kostenaufwändig artgerecht gehalten wurden. Nur wer bereit ist, einerseits auf hohen Fleischkonsum und andererseits auf Billigware zu verzichten, der darf dann auch mal mit dem Finger auf Missstände zeigen.

Landwirt Odinga ist sicher kein herzloser Mensch.
Er ist, wie viele andere Fleischproduzenten, ein Rädchen in einem System, das von jedem einzelnen Verbraucher angetrieben und unterstützt wird. Marktwirtschaft wird vom Verbraucher gesteuert. Und zwar völlig unkomliziert: Nachfrage regelt das Angebot. Kein Landwirt wäre so dumm, sich Tausende von Tieren zu halten, wenn keiner sie ihm abkauft. Da kommt es irgendwie komisch rüber, wenn man schreit: „Ich will täglich Fleisch und Wurst und nehme nur das billigste aus dem Kühlregal des Discounters. Aber der Schlachter ist ein skrupelloser Tierverachter, der mein Hähnchen zu Lebzeiten schlecht behandelt hat.“

Also doch kein böser Bauer, sondern nur eine gedankenlose, stetig wachsende Masse von Verbrauchern, die nicht bereit ist, Verantwortung zu übernehmen, für all die kleinen süßen Küken, Kälbchen und Ferkel?

Sämtliche Lebensmittelskandale haben übrigens den gleichen Hintergrund. Mir wird beim Gang durch die Supermaktregale nur noch schwindlich und schlecht. Doch eingebrockt haben wir uns das selbst. Es ist an uns, die verdorbene Suppe auszulöffeln oder unsere Ansprüche zu ändern und damit für ein verändertes Angebot an Nahrung zu sorgen.

gcroth

Kommentare:

  1. wenn sie nur 200 meter entfernt wohnen würden, hätten sie bestimmt auch etwas gegen preisverfall von 70% bei immobilien, geruchs und lärmbelästigung keimbelastung in der luft. meinet wegen soll er eine so große anlage bauen aber bitte nicht in bewohntem gebiet. wir reden ja auch nicht von einer normalen anlage mit 20000 hühnern...wir reden über 80000 hühnern.

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  2. Hallo Anonym,
    Sie haben völlig Recht! Ich wäre nicht nur dagegen, wenn ich 200 Meter von einer solchen Anlage entfernt wohnen würde. Ich bin grundsätzlich gegen Massentierhaltung. Zum einen, weil es gar nicht möglich ist, Tiere in so einer Anlage artgerecht zu halten, zum anderen, weil die Aufzucht dieser Tiere nicht möglich ist, ohne sie mit Pharmazeutika vollzustopfen, die wir anschließend mit dem Fleisch in unserem Körper speichern. Davon abgesehen wird für das Heranziehen von Fleischbergen, wertvolles Getreide eingesetzt, dass andernorts viele Menschen mehr ernähren könnte. Die herabgesetzte Lebensqualität der direkten Nachbarschaft und der Wertverlust von Grund und Boden, könnte mit entsprechender Technik eventuell noch abgewendet werden. Obwohl deren Einsatz vermutlich wieder zu einem Preisanstieg führen würde.

    Mir geht es vielmehr darum, aufzuzeigen, dass wir alle Verursacher des Problems sind. Und dass unser maßloser Fleischkonsum erst derartigen Tierfabriken eine Lebensgrundlage schafft. Der Bau von Anlagen für Massentieraufzucht ist lediglich die logische Folge unseres eigenen Verhaltens.

    Herzlichen Gruß
    Grete C. Roth

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  3. Aus aktuellem Anlass möchte ich darauf hinweisen, dass ich grundsätzlich auch anonyme Kommentare freischalte. Mit Ausnahme von gewaltverherrlichenden, beleidigenden oder pornografischen Inhalten etc.

    Kritische Stimmen sind immer willkommen, ich kann jedoch keine anonymen Kommentare freischalten, in denen Vorwürfe gegen Personen erhoben werden, ohne dass diese mir belegt werden. Ich bitte daher um Verständnis, wenn der eine oder andere abgegebene Kommetar nicht online geht.

    Wer handfeste Fakten hat, kann sie mir gern unter Angabe von Name und Anschrift per Email zuschicken.

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  4. Ackerbauer Odinga schiebt die Verantwortung für seine Pläne auf die Konsumenten von Fleisch. Der Fleischkonsum geht mehr und mehr zurück, seit Jahren werden Kunden immer kritischer und wählerischer, kaufen immer mehr Bio-wenn schon Fleisch sein muss- aber immer mehr halten sich deutlich zurück im Fleischverzehr. Immer mehr Menschen schauen hin, horchen auf... Wie kann es in so einer Zeit möglich und erlaubt sein so etwas altmodisches wie eine Massenzuchtanlage neu zu erbauen??? Dem Bauer geht es doch um sein finazielles Auskommen und nicht um den Kunden sein Brot mit Aufschnitt zu belegen, das ist doch Illusion. Warum investiert er nicht in glückliche Tiere? er sagt, die Henne müsse gut gehalten werden, sonst könne sie nicht weiter verkauft werden. Ein Lebewesen KANN nicht gesund, fit und glücklich sein in einem engen Käfig, in einem Stall, wenn der liebe Gott es für die Freiheit geschaffen hat, ohne Sonennbad und Sandbad (Grundbedürfnisse von Geflügel) sind die Tiere krank, brauchen Zusatzfutter, Medikamente... und das soll noch Sinn machen?? NEIN!!! Das sind doch nur gesammelte Argumente, um einen guten Stand zu wahren wenn das noch geht. Bella

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  5. „Der Verbraucher möchte Fleisch immer verfügbar haben. Wir können uns dem Bedarf der Bevölkerung anpassen.“ (Zitat von Odinga) Aber kann der Bauer das auch mit seinem Gewissen vereinbaren?? Hat er denn eins? Schaffte er nicht alle Tiere seines Vaters ab um ohne Verantwortung und Belastung leben zu können??! wenn der Verbraucher Drogen, Waffen, Alkohol, was auch immer... immer verfügbar haben möchte, liefert er es ihm auch?? Der Verbraucher möchte gar nicht Fleisch immer verfügbar haben, das stimmt nicht. Ausserdem ist genug Fleisch vorhanden, teilweise liegt es als Gammelfleisch noch in den Fleischtheken. Und WENN es so wäre braucht Odinga nicht dem Leid in der Tierwelt noch mehr Grausamkeit zufügen. Oder ist die Bezahlung so gut, dass er nicht mehr auf sein Herz hören will?? Pointer

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  6. Nur doof das Fleischverbrauch in Deutschland sich konstant verhält. Und das gerade der Verbrauch von Geflügelfleisch stätigt wächst, während Rind und Schwein zurück geht ist natürlich noch unglücklicher...
    Also werden noch einige Hähnchenställe gebaut werden müssen um den Bedarf in Zukunft zu decken...

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  7. Hallo Anonym (schön ist das nicht, wenn ich sämtliche Kommentatoren mit "anonym" ansprechen muss, aber gut, es ist wie es ist)

    Man kann es doof nennen oder einfach Uneinsichtigkeit. Vermutlich haben Sie recht, mit der Vermutung, dass noch mehr Hähnchenställe gebaut werden. Auch hier wird es erst zur Massenausschüttung von Keimen kommen müssen, bevor jeder für sich seinen Fleischverbrauch in Eigenverantwortung reduziert.

    Ich zitiere mich mal selbst:
    "Mir geht es darum, aufzuzeigen, dass wir alle Verursacher des Problems sind. Und dass unser maßloser Fleischkonsum erst derartigen Tierfabriken eine Lebensgrundlage schafft. Der Bau von Anlagen für Massentieraufzucht ist lediglich die logische Folge unseres eigenen Verhaltens."

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