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Mittwoch, 30. März 2011

Anser Anser: Die Graugans

2000 € Strafe muss Eilert V. aus Emden-Petkum zahlen, weil er Jäger bei der Hobbyjagd auf Graugänse, im Naturschutzgebiet, gestört hat. Nichts bezahlen müssen die Jäger, die die Graugänse im Naturschutzgebiet ganz legal jagen, weil sie das Rastgebiet, im Naturschutzstreifen am Dollart, vom Land gepachtet haben.

Gänse nutzen die Weideflächen am Deich in Emden-Widdelswehr als Fressplätze. Foto: Satzstudio Roth


Die Graugans
ist eigentlich ein Überbegriff für verschiedene Arten von Gänsen wie Saatgans, Bläßgans, Jurzschnabelganz oder Zwerggans. Die bei uns in Emden-Petkum heimischen Gänse gehören zur zweitgrößte Gänseart in Europa. Auch wenn es im Augenblick so aussieht, als ob die Schwärme größer werden, so ist es nach eigenen Beobachtungen und Zählungen der Tierschützer eher so, dass sie vor einigen Jahren noch größer waren.

Über das Alter, das Graugänse erreichen können, habe ich in verschiedenen Quellen unterschiedliche Angaben gefunden. So wird von vier bis sechs Jahren gesprochen (was mir zu wenig erscheint, das sie erst mit ca. drei Jahren geschlechtsreif werden und mit vier Jahren Nachkommen ausbrüten), von 15 bis 18 Jahren und sogar von bis zu 30 Jahren. Ein Gänsepaar bildet für gewöhnlich eine lebenslange Partnerschaft, die sich bereits während der Geschlechtsreife anbandelt. Nur wenn ein Partner stirbt, suchen sie sich einen neuen.


Graugans Familie; Foto: Aiwok, Wikipedia 
Die Flügelspannweite einer ausgewachsenen männlichen Graugans von ca. drei bis vier Kilo, liegt etwa bei 1,50 m bis 1,70 m. Damit schafft sie es, ihr Gewicht von zweieinhalb bis vier Kilo in die Lüfte zu schwingen. Die weiblichen Tiere sind etwas leichter.

Am typischen schwarz-grau-weißen Federkleid erkennt man die ausgewachsenen Tiere, während die Jungtiere noch ein bräunliches Gefieder tragen.

Anfang Januar kommen sie aus ihren Winterquartieren, vom südlichen Mittelmeer, zu uns zurück ins Naturschutzgebiet direkt am Dollart ins Deichvorland. Ab März, legen sie drei bis sechs Eier, die von den Weibchen innerhalb eines Monats ausgebrütet werden, das Erwachsenenalter erreichen ca. 30 % eines Geleges. Das Betreten der Naturschutzflächen ist verboten, um Störungen jeglicher Art zu vermeiden. Es gibt aber Ausnahmeregelungen, z.B. für Jäger und Landwirte.

Die Jagd im August reißt viele Gänsefamilien auseinander und läßt hilflose Jungtiere zurück. Gänse, die im Frühjahr ihren Partner verlieren, schaffen es oft nicht mehr im selben Jahr einen neuen zu finden, sodass kein Nachwuchs zu erwarten ist. Die Graugänsejagd wird von der Jägerschaft mit Natur- und Landschaftsschutz begründet und ist vom Gesetz her im August und vom 1. November bis 15. Januar erlaubt. Sämtliche anderen Arten sind ganzjährig geschützt.

Die Gänsejagd wird von Seiten der Tier-, Natur- und Landschaftsschützer komplett abgelehnt und als reine Hobbyjagd eingestuft. Der Abschuss mit Schrot sorgt oft dafür, dass sogenannte „Beiflieger“ durch Streumunition verletzt werden und qualvoll verenden. Besonders der Abschuss im Flug wird kritisiert, da es auch für ein geübtes Auge, nicht immer leicht ist, verschiedene Gänsearten aus der Entfernung zu erkennen. Während die Jagd bei uns relativ unbemerkt von der Bevölkerung in den frühen Morgen- und späten Abendstunden stattfindet, ist man in anderen Ländern nicht so zimperlich und stilisiert die Gänsejagd zum heldenhaften Männersport.

Graugansjagd – sie nennen es Sport


Jahr um Jahr ist es immer wieder ein beeindruckendes Schauspiel, wenn Tausende von Graugänsen mit ihrem typischen Gänsegeschrei, ihre Kreise an der Küste ziehen, sich immer neue kleinere Schwärme dazugesellen, um sich im Frühjahr auf den Weiden und brachliegenden Feldern niederzulassen. Das noch kurze Gras ist ihre bevorzugte Nahrung, nicht immer zur Freude der Weidebesitzer, die natürlich durchaus finanziellen Schaden dadurch hinnehmen müssen. Es ist absolut verständlich, dass Landbesitzer kein Interesse daran haben, dass Scharen von Wildgänsen in kurzer Zeit ihre Weideflächen abgrasen. Ein finanzieller Ausgleich könnte eventuell Abhilfe schaffen. Ob der Abschuss eines Teils der Gänse allerdings die Lösung für dieses Problem ist, ist zweifelhaft. Letzlich werden die scheuen Tiere lediglich aus ihren angestammten Fressplätzen weiter zum Nachbarn getrieben. Für die Tiere bedeutet das, dass sie stressgeplagt, noch mehr Energie benötigen, um den zusätzlichen Energieverbrauch, durch das Suchen neuer Futterplätze, ausgleichen zu können.

In den letzten Jahren kam es öfter vor, dass ein Teil der Graugänse nicht mehr ins Winterquartier flog. Die milden, schneearmen Winter in unserer ostfriesischen Region und an der holländischen Küste, bieten offensichtlich ausreichend Nahrung, sodass sie die lange Reise bis nach Nordafrika gar nicht erst antreten. Aus touristischer Sicht und auch aus Sicht vieler Einheimischer und Naturschützer, sind die beeindruckenden Schwärme von Graugänsen ein attraktiver Gewinn für unsere Region und auch ein beruhigendes Zeichen, relativ intakter natürlicher Verhältnisse.

Dennoch, es wird seit Jahren hart gestritten, ob der Abschuss nötig ist oder nicht. Die Fronten sind verhärtet und Tierschützer greifen zu illegalen Aktionen, indem sie mit Nebelhorn und lautem Rufen, die Gänsejagd im Naturschutzgebiet zu verhindern suchen. So lange die Jagd allerdings gesetzlich erlaubt ist, müssen diese zwar verständlichen aber nicht erlaubten Aktionen scheitern. Ein langer Prozess über den Weg von Anzeigen und Anträgen an die zuständigen Behörden muss eingeleitet werden. So urteilte das Amtsgericht Emden im jüngsten Prozess.

Eine verfahrene Situation, für die es sicher keine einfache Lösung gibt. Für mich und manchen anderen ist es nicht nachvollziehbar, welche Freude man am Abschuss von gesunden Tieren empfinden kann, die das tun, was sie seit Tausenden von Jahren tun. Wer einmal hautnah miterlebt hat, was für ein großartiges Schauspiel das tägliche Einfliegen der großen Schwärme ist, wird das sicher ähnlich sehen.

Verstehen kann ich allerdings auch den Unmut der Landwirte, deren Weidegras gerade dann kurz gefressen ist, wenn es Zeit ist, ihre Kühe aus dem Stall wieder auf die Weide zu treiben. Für sie bedeutet das, dass sie in Zusatzfutter investieren müssen. Es wird soviel unsinniges Zeug subventioniert in Deutschland, ich denke, da wäre eine Entschädigung für die Betroffenen Landwirte zu Gunsten des tatsächlichen Tierschutzes, eine sinnvolle Investition, von der wirklich alle etwas hätten.

Weisheit der Wildgänse


Wer Lust hat mit Jägern über das Thema zu diskutieren, um sich einen eigenen Eindruck zu verschaffen, kann das zum Beispiel im Forum „Deutsche Jagdzeitung“ tun.

Oder im Forum „Wild und Hund“
 
Für Diskussionen der Gegenseite bieten sich die Seiten Rabenforum

Es gibt noch mehr Foren, die sicher ebenso geeignet sind, die Auswahl stellt keine Wertstellung dar, sondern dient lediglich als Einstiegmöglichkeit in die Problematik.


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