Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Sonntag, 17. April 2011

Osterbräuche in Ostfriesland

Von Johann Beerens, am Ehrenmal 1  26802 Moormerland-Tergast
Teil 1
Teil 2 erscheint nächste Woche und da geht es um Ostereier und traditionelle Spiele zu Ostern


Da Ostern kalendarisch nicht immer am gleichen Tag stattfindet, sollte hier die einfache Regel, wann denn Ostern ist, nicht fehlen:
Ostern ist am ersten Sonntag nach dem ersten Vollmond nach Frühlingsanfang.  

Danach richten sich dann alle vorherigen Feiertage nach Dreikönigstag am 06. Januar,  wie Fastelovend, Karneval, Rosenmontag, Aschermittwoch, Judica und Palmerum. Und danach Himmelfahrt (40 Tage nach Ostern) und Pfingsten (10 Tage nach Himmelfahrt).


In der KarWoche wird das Frühlingserwachen gefeiert.
Das war schon in der Heidenzeit so, als die Germanen noch ihre Göttin Ostara, daher auch der Name, verehrten. Sie entzündeten auf dem Kirchhof ein jungfräuliches Feuer – das heißt, es musste aus ‚Stahl und Stein’ geschlagen werden. Aus Freude darüber, dass der Winter nun vorüber war, wurden überall im Lande die Osterfeuer entzündet, es war das

„Paaske in de Möte brannen“.
Dieser Brauch wird auch heute noch aufrecht erhalten, vielerorts in verschiedener Art und Weise. Als es noch erlaubt war, wurden schon vorher die „Schlootswallen“ abgebrannt, es war das ‚Luntjen“, oder die Treibsel an der Ems und am Strand wurden angesteckt, es war das ‚Teekfüürbrannen’ Es sind meistens Vereine, manchmal Heimatvereine, manchmal Sportvereine, auch wohl Touristenverbände, die in der Karwoche die Gartenabfälle, die in dieser Zeit massig anfallen, zu einem bestimmten Platz karren oder fahren lassen. Hohe und große Strauchhaufen entstehen. Am Abend vor Ostern versammeln sich dann die Menschen und ihre Gäste aus dem Ort, um beim hochauflodernden Feuer einige Stunden zu verbringen. Glühwein und Würstchen, Musik und Spiele verkürzen die Zeit.

Das Osterfeuer auf Borkum unterliegt herkömmlichen Riten, worauf die Veranstalter auch peinlich achten. In den Dünen werden im Herbst schon Sträucher, nach Weihnachten die Tannenbäume und gegen Ostern weiteres brennbares Material besorgt. Kurz vor dem Fest scharen sich dann einige junge Leute zusammen. Sie bauen die meterhohen Strauchtürme auf.

Die „Stöhner“  =  Stützen  werden meistens gestiftet. Sie halten den Turm zusammen. Das Aufschichten des Brennmaterials muss schon gekonnt sein. Ganz geschickte „Feuerturmbauer“ erarbeiten beim Aufschichten einen Schlot - ähnlich wie ein Schornsteinzug - , in den Haufen. Das hat die Wirkung, dass ein Sog entsteht und die Flammen von innen her auflodern.

Am Abend des Ostersamstags ist es dann soweit.
Der Turm ist mächtig angewachsen. An den Stöhnerenden oder auf dem Topp wehen bunte Fahnen, dort hängt auch eine ausgestopfte Puppe. Aus den Dünen steigt schon hier und da Rauch auf – das sind die Ungeduldigen, die die Zeit nicht abwarten können. Auch muss der Turm bewacht werden, damit niemand schon am helllichten Tage die Lunte daran hält.

Wenn es dämmert, strömen die Einheimischen und die Badegäste herbei.
Fackeln werden angezündet, mit den Lunten wird an allen vier Ecken gleichzeitig das Feuer entzündet. Schnell züngeln die rotgelben Flammen in den schwarzblauen Himmel, begleitet von einem langanhaltenden Applaus. Bald haben die Feuerzungen auch die Puppe und die Fahnen erhascht – das Publikum ist begeistert.

Lange noch lodert das Feuer am Ostervorabend durch die Nacht, langsam sinkt der Turm in sich zusammen. Die angekohlten Stöhner brechen und sinken nieder. Am nächsten Morgen liegt auf dem Dünenhügel (oder wo immer am Vorabend ein Osterfeuer brannte) nur noch ein Häufchen Asche. Ostern ist angebrochen.

Den zweiten Teil dieses Artikels lesen Sie nächste Woche. 
Dann geht es um alte ostfriesische Spiele rund um die Ostereier.

Diese Leseprobe wurde von Johann Beerens zur Verfügung gestellt und ist seinem Buch entnommen.
Von Neujahr bis Silvester
Brauchtum und Tradition im Jahreslauf

von Johann Beerens
Ca. 268 Seiten, viele Bilder, ISBN-Nr.: 978383 7079678,  29,60 €












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