Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Samstag, 23. April 2011

Traditionelle Spiele rund ums Osterei

Zweiter Teil. Von Johann Beerens, am Ehrenmal 1  26802 Moormerland-Tergast

Ostereier
Das Warten auf das Ostfeuer ist langweilig. Da haben sich die Eltern schon mal aufregende Spiele ausgedacht. Beim Sportverein in Tergast wird vor dem Feuer ein großes Ostereiersuchen mit hunderten von bunten Eiern veranstaltet.

Danach folgt das
Loeffelrennen.
Es werden Staffeln von mehreren Kindern aufgestellt. Der Erste bekommt einen Löffel, auf dem ein Ei getragen werden muss. Er muss es über ein Hindernisparquour balancieren und dem Nächsten geben. Die Staffel, die alles richtig macht, hat gewonnen.

Variante für den Fall, dass keine Staffeln gebildet werden können:
Jeder Teilnehmer bekommt einen Esslöffel, auf dem er ein Osterei legt. Die Teilnehmer stellen sich nun an einer Linie auf und rennen mit ausgestrecktem Arm bis zum Ziel. Je nachdem kann man die Strecke durch Hindernisse zum Durchkrabbeln oder Überspringen  erschweren. Sieger ist natürlich, wer mit seinem heilen Ei zuerst ins Ziel kommt.

Das Eierverteilen brachte viel Vergnügen.
Dabei sitzen die Spieler im Kreis, in der Mitte steht ein Teller mit bunten Ostereiern. Auf ein Zeichen hin, flüstert jeder seinem Nachbar auf der rechten Seite ins Ohr, welches Ei in welcher Farbe er gerne schenken möchte: rot oder gelb zum Beispiel. Dann nennen alle die Farbe. Wurde eine Farbe nur einmal genannt, darf derjenige das Ei wegnehmen.

Bei schlechtem Wetter bleibt man im Haus. Viel Spaß macht das Eierkikken oder Eierbikken. „spits of bol“ heißt es dabei, (spitz oder rund). Wobei die Eier aneinander geschlagen werden. Das heile Ei hat gewonnen.

Beim „Eierstehlen“ spielt einer den Osterhasen.
Der Osterhase sitzt in der Kreismitte und bewacht ein Nest mit Ostereiern. Er hat dabei allerdings die Augen verbunden und muss sich nun auf die Geräusche konzentrieren. Die Füchse, welche sich im Kreis drum herum befinden, wollen die Eier stehlen. Sie schleichen sich vorsichtig an das Osternest heran. Hört der Osterhase das Geräusch und deutet in die richtige Richtung, muss der Eierdieb wieder zurück und aufgeben. Nun kann der nächste Fuchs sein Glück versuchen. Hat ein Fuchs ein Ei erwischt, darf er es behalten und nun selbst Osterhase spielen.

Ein anderes Daheimspiel ist das Eierpusten.
Dabei liegt ein ausgeblasenes Ei  in der Tischmitte. Alle Kinder sitzen um den Tisch herum und legen ihre Arme so an die Tischkante, damit das Ei nicht herunterkullern kann. Der Spielleiter ruft: Puste Puste Sausewind, roll das Ei geschwind zum Kind. Jetzt pusten alle kräftig. Das Ei rollt auf ein Kind zu. Dieses versucht nun mit aller Kraft, das Ei weiterzublasen, damit es seinen Arm nicht berührt. Für jede Berührung oder für jedes Herunterkullern, muss ein Pfand gezahlt werden, das dann später eingelöst wird. Es ist ratsam ein paar Eier parat zu haben als Reserve.

Vor langer Zeit gab es ein eigenartiges Spiel, das „Eierrollen auf der Lönskebahn" (auch Lüns- oder Lummerke-Bahn genannt) „Das kann heute fast nicht mehr wiederholt werden, weil es vor den Häusern in der Stadt kaum Flächen dafür gibt und in einer Siedling auf dem Lande Blumenbeete oder Strauchpflanzungen ein Ausbreiten verhindern. Damals wurde eine etwa 2 bis 6 m² großes Arial mit Streusand ausgefüllt, an den Rändern eine erhöhte Wölbung aufgeschichtet und an einem Ende ein Ziegel (Dakkpann) schräg aufgestellt. Im Spiel ließ ein Kind sein Ei von der Schräge rollen, das nächste versuchte es mit seinem Ei zu treffen. Getroffene Eier gingen in den Besitz des „Siegers“ über.

Man muss ja zunächst einmal Eier haben. Heutzutage bekommen die Kinder von den Eltern, Großeltern, Tanten usw. gleich körbeweise bunte Eier ins Nest gelegt, so dass ein Spiel wohl lautet „Wovöl hest du kregen?“ Früher holten sich die Kinder in der vorösterlichen Zeit  durch Umsingen bzw. Umgänge die kostbaren bunten Eier. Sie zogen mit dem Rummelpott von Haus zu Haus und sangen:

“Uns Paasken, uns Paasken, un dä kummt an.
Wi hüppen und springen mit Freid drup an.
Een Deit (Geldstück) of drei, een Ei of veer – geeft uns dat beste.“

Oder
„Och Jüffrau, laat uns neet langer stahn,
wi mutten noch’n Döörke wieder gahn.“

Oder
„Didelum dei, didelum dei,
geef uns’n Pennk of’n Paaskeei.“
„Nix is nix, een is wat.
Twee geeft mi, dann ga’k mien Pad.“


Es gibt viele kleine Singsongs, um Geld oder Eier zu erbetteln.

Ein Hinweis: Das Wort „Paasken“ ist friesischplatt und bedeutet Ostern. Es ist wahrscheinlich entstanden aus dem jüdischen Passah.

Der Ostersonntag galt der Familie. Mutter hatte zum Frühstück viele Eier gekocht, zu Mittag gab es ein Stück vom Lamm oder das dickste Kaninchen. Nachmittag ging man spazieren, schaute den Kindern beim Eierspiel zu und wurde auch selbst noch mal Kind beim Kullern oder Weitwerfen.

Der Ostermontag wurde meistens dazu benutz, auf Visite zu gehen oder selbst Besuch zu empfangen. Die ersten Frühlingsblumen (Tulpen, Narzissen (auch Osterblumen genannt) wurden ausgetauscht. Ein köstliches Ostergebäck kam auf den Tisch. Schon in der Bibel wird das jüdische Passah-Fest mit einem besonderen Brot, in dem der Sauerteig fehlt, versüßt. Da werden die Mazzen angeboten und sogar verschenkt. In Ostfriesland verzehrt man die Plaskes, ein tellergroße kreisrundes Hefegebäck. In einer Vertiefung befindet sich oft eine Rosine. Altfriesisch heißt dieser Kuchen auch wohl ‚wyelbroot’, wahrscheinlich weil die runde Form an ein Rad erinnert. In vielen Häusern darf auch der Stollen, ein besonders zubereiteter Krintstuten, nicht fehlen.

Zu meiner Zeit gab es ja noch keine Autos, nur ab und zu kam eine Kutsche vorbei. Da konnten die Kinder und jungen Männer noch auf der Straße spielen. Zu Ostern war in vielen Dörfern des Rheiderlandes das Nötenskeeten angesagt. In einer Langen Reihe oder auch im Kreis wurden die „Nötenhuuskes“ aufgestellt. Dazu gebrauchte man Walnüsse. Drei bildeten den Untergrund, einen darauf gelegt, und fertig war das Häuschen. Aus vierzig oder fünfzig Meter Entfernung warfen die Teilnehmer eine Eisenkugel (wie beim Boßeln) in Richtung der Nusshäuschen. Traf die Kugel ein Haus, gehörten dem Werfer die Nüsse. Oft sauste die schwere Kugel an den Häuschen vorbei und musste am Straßenrand oder gar im Graben wiedergesucht werden. Wer am Ende die meisten Nötenhuuskes platt gemacht hat, ging gegen Abend als stolzer Sieger nach Hause.

Einige Tiere tummeln sich im Oster-Sprachgebrauch.
Der Osterhase ist im Brauchtum ein vorgestellter Hase, der zu Ostern Eier bemalt und im Garten versteckt. Die Ostereier werden am Morgen des Ostersonntags von den Kindern gesucht. Das Motiv des Osterhasen hat sich in der 2. Hälfte des 20. Jahrhunderts in der populären Kultur um Ostern herum auch durch die kommerzielle Verwendung ausgebreitet und frühere Überbringer des Ostereies weithin verdrängt.

In einigen Teilen der Schweiz war der Kuckuck der Eierlieferant, in Teilen von Westfalen war es der Osterfuchs, in Thüringen brachte der Storch und in Böhmen der Hahn die Eier zum Osterfest. Zum christlichen Osterfest gehört auch das Osterlamm. Entstanden ist das Osterlamm aus dem Ritual der Juden, zum Passahfest ein Lamm zu schlachten und zu verspeisen Dabei wird das Lamm zum Gedenken an Gott geschlachtet. In der christlichen Kirche ist es symbolisch zum Lamm Gottes geworden und wird mit der Fahne dem Zeichen des Sieges dargestellt. Übertragen gibt es einen Brauch: Das Familienmitglied, das am Palmsonntag als letztes morgens aufsteht, wird in vielen Gegenden als „Palmesel“ bezeichnet.


Eine Meldung aus einem Dorf in Ostfriesland:
Beim sogenannten "Paasken" wurden Eier mit dem "Slingerleerlapp" über die Wiese geworfen oder die Eier in einer "Lünsbahn" herunter "getrüllert". Kinder und  Erwachsenen hatten einen Riesenspaß an diesen Spielen.


Aus dem Buch:
Von Neujahr bis Silvester: Brauchtum und Tradition im Jahreslauf
von Johann Beerens
Ca. 268 Seiten, viele Bilder, ISBN-Nr.: 978383 7079678,  29,60 €

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