Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Samstag, 11. Juni 2011

Pfingsten in Ostfriesland

Der Pfingstbaum gehört dem ganzen Dorf
"Schmücket das Fest mit Maien, Kronen und Kränze."
Pfingstrose
„Morgen bin ich Pfingstenblum' und Königin vom Fest“ singt ein Mädchen in Lord Alfred Tennysons Gedicht „THE MAY QUEEN“, und der Altmeister Goethe sagt in seinem Reineke Fuchs „Pfingsten, das liebliche Fest ... festlich heiter glänzt der Himmel und farbig die Erde“. Der Mai und das Pfingstfest werden oft zu einer Einheit verschmolzen. So ist die Maikönigin auch mal Pingsterbruut, Pfingstblume oder das „Mädchen im Grünen“.




Neunundvierzig Tage nach Ostern ist Pfingsten, eines der hohen christlichen Feiertage.
Es ist gleichzeitig das letzte christliche Fest vor einer langen Sommer“Durst“strecke und dem Ausklang des Kirchenjahres mit Martini, Buß- und Bettag und dem Totensonntag im November. Ursprung ist ein jüdisches Erntedankfest, wozu schon ein Psalmsänger ausruft: „Dies ist der Tag, den der Herr macht, lasset uns freuen und fröhlich darinnen sein. Schmücket das Fest mit Maien bis an die Hörner des Altars.“ Anläßlich dieses Festes kamen auch die Jünger Jesu in Jerusalem zusammen, wo dann das Wunder, die Ausgießung des „Heiligen Geistes“, zur Gründung der ersten Christengemeinde führte.


Allerlei Wortbildungen bzw. Wortbeziehungen zum Mai und zu Pfingsten sind entstanden.
Erinnern wir nur an den Pastor Lentz aus Amsterdam, der in inniger Beziehung zu Ostfriesland stand. Kommt von ihm die Bezeichnung „Lenz“, der Frühling? Mai, Frühlingsleben, Lust, Wonne, jungfrisches Laub, Lindenlaube, Laubhütte oder Maihüske sind so einige Wörter, die auf das lustvolle, farbenfrohe Aufblühen im Lenz hindeuten. Fröhlichkeit ist angesagt, was sich in den Bezeichnungen Maimöhlen, Maibock, Maitrank, Maibaum oder auch Pfingstbaum, Pingstermarkt, Pfingstbraut ausdrückt. Von den zahlreichen botanischen Aufblüher im Mai und um Pfingsten verdanken das Maiglöckchen und die Pfingstblume, die Pfingstrose, der schönsten Zeit des Jahres ihren Namen.


Kein Wunder, dass in dieser Zeit auch so mancher Frühlingsbrauch entstand. Das geht schon am Himmelsfahrtstag los. Ausgangspunkt ist eine Sage, nach der eine Cirksena-Tochter ihren Bräutigam am Himmelfahrtstag verlor und selber vor Schmerz an der Bahre des Geliebten starb. Der Weg zur Grabstätte wurde mit Tausenden von Blumen ausgelegt. So entstand der Brautpfad. In Aurich und Umgebung, aber auch im Norderland, wurde seit Generationen der Brautpfad gelegt. Kinder sammelten schon Tage vorher Moos und Grünes, pflückten noch im Morgengrauen bunte Blüten von den Wiesen und Feldern, um am frühen Morgen die Fußsteige mit oft künstlerischen Blumenbildern zu verzieren. Leider fällt dieser Brauch der zunehmenden Bebauung und der versteinerten Gehwege zum Opfer.

Anders ist das Aufhängen von „Kronen und Kränzen“ an Pfingsten in Esens und Umgebung.
Eigentlich wurde diese Sitte 1711 bei Strafe von 20 Goldgulden von Fürst Georg Albrecht verboten. Doch darum hat sich wohl niemand gekümmert, denn auch heute noch findet man die „Kronen und Kränze“ von einer Seite des Weges zur anderen gespannt. Nicht in der verkehrsreichen Gemeinde und nicht an Strassen mit viel Autoverkehr. Kommen aber Radfahrer, ihre Fahrzeuge geschmückt mit grünen Birkenzweigen, oder Spaziergänger, eine Pfingstrosenblüte im Knopfloch, auf Feld-, Wald- oder Wirtschaftswegen in die Außenbezirke, so werden sie von den wunderschön geflochtenen, bunten Girlanden begrüßt. Gerne geben sie den Kindern, die dort ihre Hand aufhalten, eine Belohnung für ihre Mühe. Sie dürfen dann „vör'n Penning unner de Kroon dör“.

Geschmückt werden an den Mai- und Pfingsttagen nicht nur die Häuser, wo zuvor „dat Huus van unnern bit boven unner Water sett und schummelt worden was“, sondern auch  Fahrzeuge, Maschinen und andere Gegenstände. Jung und alt hält es in dieser Zeit nicht zu Hause. 

Wanderungen, ob nun mit dem Rad, per Pedes oder gar mit Trecker oder Kutsche in nah und fern sind üblich. Im Hochmoor wird (wurde) die angeschnittene Bank mit einem Birkenstrauß zur Pingsterbank. In den Kirchen werden auch Kanzel, Altar, Emporen, Bänke und Ehrensitze geschmückt.

Am 10. Mai wird in Ostfriesland seit jeher der „OLLe Mai“ gefeiert.
Am Upstalsboom versammelten sich die Häuptlinge, später die ostfriesischen Abgeordneten der Stände und der Landtage, um hier zu richten und zu beraten. In den „negen Logen“ stellte man „geschmückte“ Bäume auf, wohl der Ursprung des Maibaums. Später wurde in Aurich der Maibaum zu Pfingsten aufgestellt als eine Art Symbol des „Gottes- und Landesfrieden“. Der Baum gehörte dem ganzen Dorf und musste bewacht werden, denn „Maiboom, Maiboom, holl die faste. Mörgen krieg wi frömde Gaste. De willt uns de Maiboom nehmen. Dann müss wi uns doch schämen.“ Heutzutage wird der Maibaum von Vereinen oder sonstigen Gruppen aufgestellt. Dabei sind besondere Regeln zu beachten, damit es nicht zu Ausschreitungen oder gar Prügeleien kommt.

Wie vormals in Aurich wird der Maibaum auf Borkum immer noch am Pfingstsamstag aufgestellt. Das Aufrichten und Schmücken des Baumes ist ein echtes Fest der jugendlichen und junggebliebenen Bevölkerung. Allerdings wurde die Sitte jahrelang, besonders während der Kriege,  vernachlässigt. Auf Wunsch des Heimatvereins und der Bevölkerung hat sich der „Verein Borkumer Jungen von 1830 e.V.“ in den letzten Jahrzehnten aber intensiv darum gekümmert, damit dieses Brauchtum auf der „grünen Insel“ wieder zur Tradition wurde.

Der Baum gleicht einem Schiffsmast mit drei Rahen. Dazwischen ist das erste Birkengrün geflochten, das auf der Insel vor allem in der „Greunen Stee“ üppig wächst. Oben im Mast das „Krähennest“, in diesem Fall ein Korb mit einem Hahn, der  zuvor aus einem Hühnerstall  „entführt“ wurde. In großen Lettern steht zu lesen: „Ik krai för Appi Land“ (oder für wen auch immer), der dann am Pfingstdienstag seinen Hahn wieder auslösen muss. Beim Aufstellen des Baumes wird gesungen und getanzt, wobei der Männerchor und die Trachtengruppen der Insel ihren Beitrag leisten. Am Morgen danach sind es vor allem die Gäste, die eine Wanderungen zum Pfingstbaum unternehmen.
 
Wanderungen, sogenannte Loopkes, gab es schon in früheren Jahren Man ging zum Ostland, verbrachte dort den ganzen Pfingsttag mit allerlei Spielen und sonstigem Zeitvertreib, wobei das Essen und Trinken im Freien nicht zu kurz kam. Aus dieser Tradition ist wohl das Zelten in der Duala auf dem Ostland entstanden, denn nur an den Pfingsttagen darf in den Dünen des Ostlandes frei gezeltet werden. Jugendgruppen, aber auch ganze Familien nehmen die Gelegenheit wahr, um zwei bis drei Tage ungezwungen und frei in der Natur leben zu können. Am Schluss der „Veranstaltung“ kommen alle Zelter noch einmal zusammen. Es wird  Kakao gekocht und darin alle Reste aus den Cola-, Bier-, Fanta-, Cognak- und anderen Flaschen zu einem wohlschmeckenden „Lumumba“  gemixt.

Zum Schluss noch einige ostfriesische Redensarten und Ausdrücke:

Die Spätaufsteher am Himmelsfahrtstag heißen Leuelap, Slaapsak oder Pingsbötel. Man spottete: Pingstervos, Leuelap - liggst bit Middag in de Klap. Kukuk is so fro upstaan, kann al wedder slapen gahn. Um den Maibaum getanzt wurde auf Borkum in Erinnerung an einen zugezogenen Bauer und dabei gesungen „Hier melsen knuren Buur ..., Buur set sück nu in  't Set ..., de Wief wil an de Dans.“Auch im Hafen wird es grün, denn „Pingsten draggt elke Mast een Pingsterbusk“. Auf dem Fehn singt man „as water und Eer, as Sünn un Maan, sall alltied un ewig uns Maiboom bestahn“. Von dem, der es falsch anfängt, wird gesagt „he fiert Pingsten vör Paasken“ und wenn alles stimmt heißt es „dat kummt ut as Pingsten up Söndag“. Wer  zum Maimarkt in Leer, Wiesmoor, Hage, Rhauderfehn und  Pewsum oder zum Pingstermarkt in Aurich, Bunde und Norden fährt, macht sich besonders schön, so dass gesagt wird: „he (se) het sück uptakelt  (updönnert) as'n Pingsteroos“. 

Na, dann völ Vergnögen.
Johann  Beerens,  Tergast


Quellen:
Ingrid Buck „Volkskunde und Brauchtum in Ostfriesland“
W. Lüpkes „Ostfriesische Volkskunde“
Inselwerbung „Ditjes un Datjes“ aus Borkum
Otto Buurman „Hochdeutsch-plattdeutsches Wörterbuch“
Eigene Recherchen

Fotos:  Johann Beerens, Tergast

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