Der Aal - der Glitschige
Der AAL: „….dat gifft kien Fiss waar so völ Gedööns um maakt waard as um AAL“, sagte mein Vater. Er musste es ja wissen, denn täglich saß er stundenlang an der Ems, um ein paar der Schlangenfische an Land zu ziehen.
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| Angler am Rorichumer Tief |
Schon vor mehr als 2300 Jahren hat Aristoteles sich Gedanken darüber gemacht, wie sich wohl die Aale vermehren.
Er meinte, sie würden spontan aus Schlamm entstehen oder aus Erdwürmen erwachsen. Die Forschung des Mittelalters schreibt ihn auch eine Abstammung von der Aalmutter zu, einem lebendgebärenden Meeresfisch. Dank der Sateliten-Telemetrie wissen wir, dass die weiblichen Aale sich im Herbst sammeln und fast 5000 km zurücklegen, um im Saragossa-See abzuleichen. Danach müssen die Mütter sterben.
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| Warten auf den "Biss" |
Mein Vater hatte es von meinem Opa gelernt, ich habe es meinem Vater abgeguckt und mein Sohn hat sich die Fangtechnik von mir erklären lassen. Das Angelgerät – Ostfriesen sagen „budden“, andere auch „purren“, Hamburger und Holsteiner „peddern“ – ist denkbar einfach: an der Spitze eines etwa 3 m langen Bambusstockes wird eine kräftige 6 m lange Schnur befestigt. Darauf wird noch ein Korken als Pose aufgezogen, der mit einm Holzkeil oder einer Feder festgesetzt wird. Als Köder werden acht bis zehn Tauwürmer auf Nähgarn oder besser auf Zwirn aufgereiht und zu einem Knäuel gedreht. Wenn der Aale beißt, zieht er den Korken unter Wasser. Manchmal nippt er auch nur. Hat er sich in dem Garn festgebissen, wird schnell, aber nicht ruckartig, aufgeholt. An Land lässt der Aal meistens los. Oft fahren die Angler gegen Abend auch mit dem Boot aufs Wasser. Ihre Köderknäuel müssen dann aber dicker und schwerer sein, weil in der Nacht doch öfter angebissen wird. Die Aale, in tieferem Wasser sind es meistens auch dickere Fische, fallen dann ins Boot und verkriechen sich in der Bilge. Dass man Aale auch mit einem Kuh- oder Schweine-Kopf fangen kann, ist wohl ein Märchen. Die Tiere fressen nämlich nur frischgetötete Köder, niemals Aas. Der Geruchssinn der Aale ist sehr ausgeprägt, sie können sehr gut unterscheiden zwischen frischen Ködern und verwestem Angebote.
Die neueren Fanggeräte sind natürlich viel besser und den Gegebenheiten angepasst. Die Ruten, meist Teleskopruten, haben eine Rolle, oft mehr als 100 m Schnur und die Angel ist mit einem Widerhaken versehen. Der Vorteil: der Köder kann weit in das tiefere Gewässer geworfen werden, der Nachteil: beim Lösen der Beute vergeht viel Zeit.
Früher mussten Reusen vom zuständigen Fischmeister genehmigt werden, jetzt kann jeder beliebig viele Reusen setzen. Fischer benutzen auch Küüls, das sind Stellnetze, und Fischkutter haben Schleppnetze. Die Glasaale werden in Fischaufzuchtbetriebe gehalten und kommen ausgewachsen in die Verarbeitungsbetriebe, wie Aalräuchereien. So werden wir sicherlich noch einige Jahre Aal essen können. Bevor aber die Bedeutung des Aals für die Küche beschrieben wird, noch eine Variante, die von den Speisefischen nur dem Aal zugeschrieben wird – der Aberglaube.Zunächst einmal muss festgestellt werden, dass das Aalblut giftig ist. Es ist ein hämolytisches Gift, das beim Erhitzen (kochen, räuchern …) neutralisiert wird. Es sollte aber nicht mit den Schleimhäuten in Berührung kommen, auch nicht in offenen Wunden geraten, da es Lähmungen und Erbrechen hervorrufen kann. Früher wurde das Aalblut gegen Warzen und Hühneraugen eingesetzt. Einige andere „Heilmethoden“ werden dem Aal zugeschrieben. So ist ein in Branntwein ersäufter Aal gut gegen Trinksucht, das Aalfett lindert Schwerhörigkeit und Hämorrhoidenschmerzen, die Aalleber ist ein geburtsförderndes Mittel, die Galle hilft gegen Gelbsucht und Schlaflosigkeit, die Haut lindert Schmerzen bei Brüchen, Quetschungen etc., auch gegen Nasenbluten und bei Kopfschmerzen. Dem Aal wird also heilende Kraft zugesprochen. Heute wissen wir, dass Medizin aus Aalen gewonnen wird und er/sie damit gesundheitsfördernd ist.
Selbstverständlich hat auch die ostfriesische Sprache den Aal aufs Korn genommen
- „Een Wief bi’t Woord hollen, un’n Aal bi de Steert is beid nix weert“, oder
- “he is gladd as’n Aal“ oder
- “he is to fangen as’n Aal bi de Steert” oder
- “man mutt neet ehrder van AAL ropen as bit man hum in de Pann hett” oder
- “laat uns’n frisken Wurm upsteken, dann bitt de Aal beter” oder
- “mit de Tied wennt he sück d’r an, sä de Maid, do truck se de Aal Huud of“ oder
- „he mag nix lever as up de Leibank sitten un sück aalen“ oder
- „’n vullen Aalkörv is Stöhn in de Huushollen“.
Warum ist der Aal in der Küche ein so beliebter Fisch? Erstens gibt es nur eine starke Längsgräte, keine lästigen kleinen Nebengräten, die im Hals stecken bleiben können. Zweitens ist das Fleisch nicht nur schmackhaft, sondern auch fettig und nahrhaft. Zum Braten muss die Haut abgezogen und die Innereinen ausgenommen werden. Nach dem Reinigen werden die ca. 10 cm langen Aalstücke in Mehl gewälzt und in heißem Schmalz oder Speckfett gebraten. Aber vorsichtig: ganz frische Aale können noch aus der Pfanne springen, sie lieben die Hitze nicht. Andere Aalrezepte folgen:
Aal grün – das ist ein ganz frischer Aal. Den Fisch gründlich säubern und in Stücke schneiden, mit Porree und Pertersilienwurzel 15 Minuten köcheln lassen, Aal aus dem Sud nehmen und Sud mit Butter und Mehl andicken, Dill und Aalstücke wieder zugeben, abschmecken und heiß servieren.
Aal geräuchert – dafür nur dicke Aale nehmen. Profis haben Räucheröfen, Amateure basteln sich solche aus großen Fässern oder mauern einen aus Klinkersteinen. Aal tot laufen lassen (in Salz), entschleimen und ausnehmen, an Spieße aufhängen. Bei 80 bis 100 Grad im Buchenrauch hängen lassen und danach abkühlen. Schmecken am besten lauwarm. Als Beigabe Schwarzbrot und 38 %tigen Korn
Aalsuppe: Rezept für 8 Personen, andere Personenzahl entsprechend berechnen. Zutaten: 1 kg Aal fertig abgezogen, Essig, Weißwein, Lorbeerblatt, Pfefferkörner, Zwiebel, Jodsalz, 1 Schinkenknochen, Karotten, Herbstrüben, Birnen, Zucker, Zimt, Backpflaumen, Butter, Mehl, Schoten, Rotwein, Knödel
Kochen des Aals: Halbe Menge Essig, halbe Menge Weißwein, Lorbeerblatt, Pfefferkörner, gespickte Zwiebel, Jodsalz. Der Schinkenknochen wird ca. 3-4 Stunden gekocht. Anschließend die Brühe entfetten. Karotten und Herbstrüben werden gewürfelt und jeweils in einem Topf mit wenig Wasser und etwas Butter gekocht. Die Birnen werden gewürfelt und in etwas Weißwein mit Zucker und Zimt weichgekocht. In einem zweiten Topf macht man das Selbe mit den Backpflaumen. Von der Butter und dem Mehl macht man eine Mehlschwitze und rührt die heiße Schinkenbrühe dazu. Sämmtliche vorgekochten Zutaten zufügen, außerdem die große Dose Schoten. Verfeinert wird die Aalsuppe mit etwas Rotwein und mit Pfeffer, falls nötig, noch ein wenig Essig. Am Ende kommen die Aalstücke dazu und in Salzwasser gekochte Schwemmknödel.
Ähnlich ist die Hamburger Aalsuppe – berühmt, bekannt, berüchtigt
Es wird häufig behauptet, die Hamburger Aalsuppe enthielte traditionell keinen Aal, sei vielmehr eine Art Resteessen gewesen, bei dem allens rinkümmt („alles hineinkommt“) was sich in der Küche befand, daher stamme auch der Name. Der Aal sei ein Zugeständnis an Gäste der Stadt, um sie nicht zu enttäuschen. Dabei handelt es sich um eine Legende mit volksetymologischer Begründung, für die es keine Belege gibt. Es gibt allerdings eine ähnlich zubereitete Suppe ohne Aal, die suur Supp („saure Suppe“) genannt wird.
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| Fuuken müssen trocknen |
Aus dem Buch von Johann Beerens, Tergast:
FISCHE: von A wie Aal bis Z wie Zander
Wie und wo sie leben, wie sie gefangen werden und wie man sie in der Küche zubereitet.
130 Seiten, reich illustriert. ISBN: 978383916934 = 18,8o €
Andere Rezepte findet man in Kochbüchern und im Internet.
Fotos: Johann Beerens, Tergast



Als ich Kind war, gab es wöchentlich frischen, selbstgefangenen Fisch vom "Großen Meer". Mein Onkel war passionierter Angler und versorgte die halbe Verwandschaft damit.
AntwortenLöschenBesonders geliebt habe ich den kleinen frischen Brataal. In kleine ca. fingerlange Stücke geschnitten, gesalzen und in der Pfanne gebraten. Dazu Pellkartoffeln mit Buttersoße. Hhhhmmm, mir läuft jetzt noch das Wasser im Munde zusammen. Früher ein preiswertes, gesundes und leckeres Essen, heute Luxus ...
Ja, ich erinnere mich auch daran, dass wir des öfteren mal Fisch gegessen haben, als ich klein war. Heute sind die Preise für Fisch wirklich nicht mehr feierlich. Zum Glück haben wir Bekannte, die auch Angeln und uns ab und an mit frischen Fisch versorgen. Danke dafür!
AntwortenLöschenSpitzkopfaale bzw. Breitkopfaale?
AntwortenLöschenWelche Aale wurden früher/jetzt in der Ems gefangen?
Wie teuer ist heute "grüner Aal"?
Uwe
Ich habe Aal nur einmal gegessen und das ist auch ganz schön lange her. Die Rezepte hören sich ganz gut an. Vielleicht sollte ich es mal einfach ausprobieren. Fisch ist gesund und man bereitet ihn sowieso viel zu selten zu Hause zu.
AntwortenLöschenIch bin absoluter Fischliebhaber, aber einen Aal habe ich noch nie gegessen... Wie schmeckt der? Also Forelle, Lachs, Wolfsbarsch, Dorade die kenne ich alle samt und die schmecken auch echt lecker :) Gibts da ähnlichkeiten beim Geschmack?
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