Van Dit un Dat un over Minsken un hör Wark in Ostfreesland. Aber ok 'n bietje Gedöns un Saken van Nahbers

Sonntag, 6. November 2011

Martinisingen in Ostfriesland

Martini
Lücht mutt düster blieven
von Johann Beerens, Tergast

Jan un Hinnerk wassen an lehrn – neet för Meester, nee, dittmal gung dat um  Kipp-Kapp-Kögel-Leeder. Oma kunn de Versen all ut Kopp, bloot of un to muss se in’t Gesangbook kieken, wenn dat um de veerde of fiefde Stroph van ‚Een faste Börg is uns Gott’ gung.

Opa leep noch eenmal um Huus to. He harr de holten Breden för de Fensters sett un mit’n Latte fastkloppt. Dat was för den V’rdunkelung – dürs gien Lüchtschien na buten geraden. De engelse un amerikaanische Veermortorigen kunnen anners hör Weg na de groode Städen finnen of hör Bommen up Dörp smieten.


Nu was dat so wiet – klar un dunkerblouw wees sük de Hemel in lesde Sünnenschien. De Kinner wassen heel upgeregt. Bühl un Wendeline wullen vandage neet mehr lopen, se weern to old, meenen se. Wassen ja ok all kunf’rmeert. Man de annern, fief Wichter un veer Jungse, truffen sück bi Oma in’t Köken. Noch eenmal wuurn de Leeder dörsungen, lehrt harrn se’d all good.
„Maakt aber unnerwegens gien Lücht an,“ wahrschaut Opa, „de Tommys kunnen dat wall sehn.“

„Watt söll’n wi mit’n Kipp-Kapp-Kögel, wenn de Kers neet brannen dürt?“
Joke harrn Runkelröv uthöhlt un an de Sieden paar Steerns un anner Figöken insneden, sach besünners nüdelk ut. Anna kwam mit’n Lateern ut Glas an, was ‚n olle Lamp west, de se mit Tekenkert bemalt harr.

De dree Husen up Veergraas leeten se liggen. Dor gavt sounso nix. As se dann bi lüttje Huus weern, wuur de Vördör all open maakt.

„Kommt rin, Kinner,“ flüstert een Stimm in Düstern „hier binnen könt ji jo Kipp-Kapp-Kögel ansteken und dann singen.“

As de moije Lüchten brannen, stellt sück de Koppel up. Mit völ Lüst un van Harten sungen de Kinner „Martinus Luther war ein Christ“ Veer Strophen. De helle Stimm van Jan was dorbi dütlich to hörn.

„Nu singt noch man eem: „Een faste Börg“

Weer sungen de Kinner, so as se datt lehrt un bi Oma instudeert harrn.

„Wat moi, wat moi! Meenst neet ok, Okeline?“, sä de Frollein in hör lange, swarte Rock. Se namm ut de Körv för elke Kind twee Appels.

„So, un nu sing’n ji noch een Plattdütsche, nä?“

„Over de stille Straten“ klung datt ut de Kinnerchor.

Darna pusten se hör Kersen weer ut. Se wull’n noch na de Buurn up Kl’börg un dann na den Tichelmeester up Siel, waar dat alltied sülvstgebacken Pepernöten gav.

Unkel Karl was dorto komen, he föhrde de Koppel over de düster Lohn. Was man good, dat de Moon nu rund un hell over de Boomen keek.

„Nu kann’k Appelmuus maken,“ freide Mooder sück, as Jan un Hinnerk hör Büdels utpakken, „un de Pepenöten, de eeten wi mörgen bi’n lekker Koppke Tee.“



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Übersetzung ins Hochdeutsche
Das Licht muss dunkel bleiben.
Jann und Hinnerk lernten – nicht für den Lehrer in der Schule, dieses Mal ging es um Martinslieder. Oma konnte die Verse alle auswendig, nur ab und zu musste sie noch ins Gesangbuch sehen, wenn das um die vierte oder fünfte Strophe von „Ein feste Burg ist unser Gott“ ging Opa noch einmal ums Haus. Er hatte die hölzernen Bretter vor den Fenstern gesetzt und mit einer Latte fest geklopft. Das war wegen der Verdunkelung, es durfte kein Lichtschein nach draußen dringen. Die englischen und amerikanischen Viermotorigen  könnten sonst den Weg zu den großen Städten besser finden oder auch ihre Bomben auf das Dorf werfen.

Nun war es endlich soweit. Klar und dunkelblau zeigte sich der Himmel im letzten Sonnenlicht. Die Kinder waren ganz aufgeregt. Bühl und Anke wollten heute nicht mehr mitlaufen, sie würden zu alt sein, meinten sie. Sie waren ja auch schon konfirmiert. Aber die anderen. Fünf Mädchen und vier Jungen trafen sich bei Oma in der Küche. Noch einmal wurde geprobt, die Lieder durchgesungen. Sie hatten alles gut gelernt.

„Macht aber unterwegs kein Licht an,“ warnte Opa, die Tommies könnten das wohl sehen.“
„Was sollen wir mit einem Kipp-Kapp-Kögel, wenn die Kerze nicht brennen darf?“ begehrte Hinnerk auf.

Jann hatte eine Runkelrübe ausgehöhlt und an den Seiten ein paar Sterne und andere Figuren eingeschnitten. Sah beonders niedlich aus. Anna kam mit einer Laterne aus Glas an, das war früher mal ein „Skienfatt“ gewesen. Sie hatte die alte Lampe mit Zeichentinte bemalt.

Die ersten Häuser der Siedlung ließen sie liegen, dort gab es ohnehin nichts. Beim „Lüttje Huus“ wurde die Vordertür schon aufgemacht.

„Kommt rein, Kinder,“ flüsterte ein Stimme aus dem Dunkeln, „hier drinnen könnt ihr eure Laternen anzünden und dann singen.“

Als die schönen Lichter brannten, stellte sich die Gruppe auf. Mit viel Vergnügen und von Herzen sangen die Kinder „Martinus Luther war ein Christ, ein glaubensstarken Mann.“ Vier Strophen. Die helle Stimme von Jann war deutlich zu hören.

„Nun singt noch man „Ein feste Burg“.

Wieder sangen die Kinder, so wie sie es gelernt und bei Oma geprobt hatten.

„Wie schön, wie schön! Meinst nicht auch, Okeline?“, sagte das Fräulein in ihrem langen, schwarzen Rock. Sie nahm aus dem Korb für jedes Kind zwei Äpfel.

„So, und jetzt singt ihr noch ein Plattdeutsches, nä?“
„Over de stille Straten“ klang es aus dem Kinderchor.
Danach pusteten sie ihre Kerzen wieder aus. Sie wollten noch zum Bauern auf Kl’börg und zum Tischler ans Siel, wo es immer selbstgebackene Pfeffernüsse gab.

Onkel Karl war dazugekommen, er führte die Kinder über den dunklen Weg. Was für ein Glück, dass der Mond jetzt rund und hell über die Bäume guckte.

„Jetzt kann ich Apfelmus machen!“, freute Mutter sich, als Jan und Hinnerk ihre Beutel auspackten.
„Und die Pfeffernüsse, die essen wir morgen zu einer leckeren Tasse Tee.“

Anmerkung der Redaktion:

Für alle, die mit ihren Kindern ein beliebtes einfaches Kinderlied zum Martinisingen üben möchten, hier ein Video, dass bei der Melodie und der Aussprache hilft:

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